Posts mit dem Label TV werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label TV werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. März 2017

Die Top 15 STAR TREK: TNG-Folgen



Es gab ein Wiedersehen mit Star Trek – Das nächste Jahrhundert. Und was wäre schöner, als dieses Blog mit einer ganz persönlichen Top-Liste meiner Lieblingsfolgen wiederzubeleben? Genau, mir fällt auch nichts ein (außer vielleicht die fehlenden Schlüsselwörter nachzuliefern, aber das ist eine andere Geschichte).

Zunächst einmal: ich bin überglücklich, dass die Serie sich so gut gehalten hat. Der Vorspann bereitet mir immer noch Gänsehaut, die Tricks sind teilweise phänomenal, die Figuren sympathisch, die Stories größtenteils so involvierend, dass mir eine Flop-Liste tatsächlich schwer gefallen wäre [gut, Der Komet (Masks, 7x17) wäre wahrscheinlich auf Platz Eins gelandet]. Es ist einfach wunderbares, mit viel Herzblut gemachtes Fernsehen, auch wenn ich es nur schwerlich ohne die Brille der Nostalgie sehen kann. Immerhin gehörten Picard & Co. lange Zeit zum Standardprogramm nach den Hausaufgaben, als sich SAT.1 noch „Der Star Trek-Sender“ schimpfen durfte.

Aus den 178 Folgen die fünfzehn für mich Besten auszuwählen war gar nicht so eine schwere Aufgabe, wie ich es gedacht hätte. Nach zwei holprigen Staffeln zog die Serie zwar dann derartig an, dass sie kaum noch Totalausfälle produzierte und von einem Unterhaltungsstandpunkt aus so durchgängig gute Qualität lieferte, wie es sich so manche „Quality TV“-Serie der Gegenwart nur erträumen kann, aber meine Erinnerungen straften mich nur selten Lügen. Will heißen: viele Folgen, die schon mein Grundschüler-Ich toll fand, finden sich nun auch in dieser Liste. Und dennoch gab es auch für mich einige Überraschungen – ich denke, für euch, die ihr diese Liste durchlest, ebenfalls. Darum, ohne weitere Umschweife, meine Lieblingsfolgen der Next Generation in spannungsgeladener umgekehrter Reihenfolge. Energie!


15.) KATASTROPHE AUF DER ENTERPRISE (Disaster, 5x05)

Beginnen wir doch gleich mit einer Abenteuerfolge voller seltsamen Humors. Ob nun Worf als Hebamme oder das Eingestehen, dass in diesem Universum ein Lied namens „Der fröhliche Vulkanier und sein Hund“ existiert – Disaster ist witziger, als man meinen würde und spannender, als sie eigentlich das Recht hat zu sein (es ist die fünfte Staffel und wir wissen, dass unseren HeldenInnen nichts passiert), Picards Kinderphobie wird weiter abgebaut, Trois Entwicklung bekommt einen neuen Impuls und der Schlussgag ist schlicht knuffig. Da darf die Energie auf unser aller Lieblingsraumschiff auch schon mal stiften gehen.


14.) IN DEN HÄNDEN DER BORG (The Best of Both Worlds, 3x26/4x01)

Und schon geht es los: Was, diesen definierenden Zweiteiler so weit unten auf der Liste? Was geht da vor? Ich kann nur vage nachvollziehen, was der Cliffhanger damals Ende der 1980er Jahre für den Zuschauer bedeutete, heute ist er im Zweifelsfall nur einen Klick weit entfernt. Vielleicht liegt es in dieser Verfügbarkeit begründet, dass The Best of Both Worlds nie den Eindruck auf mich machte, die er Zweiteiler wohl sollte – ich musste nie auf die Konklusion länger als einen Tag warten. Es ist selbstredend eine tolle Doppelepisode mit kniffeligen Fragestellungen, einem wahrlich starken Gegner und vielen wichtigen, involvierenden Momenten, sonst würde ich sie ja auch nicht hier aufführen. Aber in meinen Augen liegt die wahre Stärke der Serie in konzentrierten Einzelepisoden (alle anderen Zweiteiler, mit Ausnahme des Finales, konnten mich weniger überzeugen). Also, fürs Protokoll: ein toller Trip, aber es gibt noch bessere Enterprise-Abenteuer.

13.) DIE ÜBERLEBENDEN AUF RANA-VIER (The Survivors, 3x03)

Kurz gesagt: ist der komplette und endgültige Genozid an einer ganzen Spezies mit einem unsterblichen Leben im Bewusstsein, in einer Illusion zu leben, gesühnt? Oder ist dieses Schicksal sogar noch grausamer? Eine Episode, die zeigt, dass nicht alle Missstände in Star Trek gelöst werden können und die Grauzonen sich mitunter beachtlich ausweiten.


12.) DATAS NACHKOMME (The Offspring, 3x16)

Eine konsequente Weiterentwicklung einer anderen, ebenfalls großartigen Folge, die sich schon allein für die Frage Datas an Picard lohnt, ob denn andere Crewmitglieder ihn vorher fragen würden, wenn sie die Absicht hätten, sich zu vermehren. Data konstruiert ein Abbild seiner Selbst, dass dann den nächsten Schritt in der kybernetischen Evolution vollzieht. Ethische Fragen werden aufgeworfen und ihre Antworten sind nicht einfach, das Ende begnügt sich nicht mit billigen Tricks und Datas Charakter wird weiter ausgebaut – was kann man also an The Offspring nicht lieben?

11.) WILLKOMMEN IM LEBEN NACH DEM TOD (Tapestry, 6x15)

Q-Folgen stehe ich etwas zwiespältig gegenüber. Manche sind gut, andere sind es nicht (Eine wahre Q/True Q), ein durchgängiger Garant für eine Highlightepisode war das allmächtige Wesen in meinen Augen nicht. Doch ---- ist eine eindeutige Ausnahme. Die Geschichte über Picard in einem von Q inszenierten Leben nach dem Tod, das schließlich zur Illustrierung einer alternativen Realität führt, in der Picard an ganz anderer Stelle im Leben steht als in der uns bekannten Zeitlinie, ist eine interessante Charakterstudie, die ich in manchen Situationen in meinem Leben gern auf dem Schirm gehabt hätte. Wie erbauend hätte die Episode wirken können, wenn man wieder einmal in einer scheinbaren Sackgasse steckte. Auch unsere Fehler machen uns zu dem, der wir sind – eine schöne Botschaft und eine treffende Ausformulierung des Plot Points „Picard und sein Herz“, sowohl buchstäblich als auch ideell.


10.) GENESIS (Genesis, 7x19)

Picard als Pinselohräffchen – ein Bild, das man nach dem Genuss dieser wunderbar durchgeknallten Episode nicht wieder los wird. Alle Crewmitglieder entwickeln sich zu früheren Formen ihrer jeweiligen Evolution zurück, nur Data und Picard können den Tag dank einer Außenmission noch retten. Wieder ein Beispiel, wie gut die Serie auf der Ebene der Unterhaltung funktioniert, auch wenn sie einige Aspekte geflissentlich außer Acht lässt. So hat Riker in seiner Urmenschenform wohl ein anderes Crewmitglied ermordet und wer weiß schon, was Chitin-Worf in den Korridoren so alles angerichtet hat. Reden wir darüber? Nein? Wer weiß, wofür es gut ist. Ansonsten kommen Spannung, Unterhaltung und gute Dramaturgie wieder einmal gekonnt zusammen.


09.) DER UNBEKANNTE SCHATTEN (Identity Crisis, 4x18)

Horrorelemente schlichen sich immer wieder gern in TNG ein. Von der zerteilten Frau im Korridor über das Teermonster und verstörende Betazoidenträume bis hin zu Episoden wie dieser, die eine einzige Gruselnummer mit einem spannenden Rätsel darstellt. Das Finale liefert dann auch noch eine Erklärung, die so nüchtern und dennoch für uns Menschen so erschreckend ist, dass es kein Wunder ist, dass dies eine der Folgen war, die ich als Kind gleichzeitig herbeisehnte und fürchtete. Allein diese amorphe Masse, die in Geordies Holodeckprogramm als Platzhalter fungiert, lässt meine Haut kribbeln.


08.) DAS RECHT AUF LEBEN (Silicon Avatar, 5x04)

Das Bild von zwei Siedlern, die durch das Kristallwesen zu Asche werden, gehörte zu meinen lebendigsten Erinnerungen an die Serie, wahrscheinlich aufgrund der ungewohnten Drastik. Doch auch dank des obligatorischen Widerstreits zwischen zwei konträren, aber gleichwertig  nachvollziehbaren Positionen ist Silicon Avatar eine der besten Folgen der Next Generation. Es gibt keine einfache Antwort und das Ende fordert den Zuschauer je nach Position unterschiedlich heraus (auch wenn kaum ein Zweifel besteht, wo die Sympathien der Autoren lagen).


07.) RONIN (Sub Rosa, 7x14)

Dass diese Episode hier auf der Liste ist, überrascht mich selbst am meisten. Ich hatte keinerlei kindliche Erinnerung mehr an Sub Rosa und nun weiß ich auch, warum: es ist eine erwachsene Geschichte über Lust. Nicht Liebe, sondern Lust - was dem oft als etwas klinisch verschrienen Star Trek-Universum natürlich besonderen Pfiff gibt. Die Geschichte von Dr. Crusher, die sich von einem „Geist“ beinahe verführen lässt, ist nicht nur recht explizit (für die Verhältnisse einer Nachmittags-SF-Serie), sie endet auch mit einer interessanten Ambivalenz, die irgendwann so typisch für die Serie wurde.


06.) ERSTER KONTAKT (First Contact, 4x15)

Eine Episode, die endlich einmal den ersten Kontakt zu einer demnächst raumfahrenden Spezies schildert, von dem sonst immer nur die Rede war. Ein Kampf zwischen progressiven und konservativen Kräften, zwischen Angst und Neugier, zwischen Öffnung und Abschottung. Ganz davon zu schweigen, dass First Contact einfach, aber effektiv auf Probleme hinweist, die sonst bestenfalls randständig in Star Trek verhandelt werden – und dazu gehören vor allem die Schwierigkeiten eines Erstkontakts, dem vielleicht definierenden Moment in der Geschichte einer planetaren Gemeinschaft.


05.) DAS ZWEITE LEBEN (The Inner Light, 5x25)

Neben Data-Episoden gehören „Picard in einer alternativen Realität“-Abenteuer augenscheinlich zu meinen Lieblingssujets. The Inner Light ist eine warmherzige, melancholische, tieftraurige und gleichzeitig wunderbare Geschichte, in der Picard ein Leben auf einem untergegangenen Planeten durchlebt, eine Familie gründet und schließlich den Untergang miterlebt. Die Vorstellung einer interstellaren Flaschenpost, die den Empfänger von der Existenz seiner Absender berichten soll, auch wenn sie wissen, dass sie zum Zeitpunkt des Empfangs ausgestorben sind, lässt mich an die Voyager-Sonden denken – und füllt meine Augen mit Tränen.


04.) DEJA VU (Cause and Effect, 5x18)

Meine Güte, macht mich das Bild der explodierenden Enterprise und des Feuers, das sich auf der Brücke ausbreitet, fertig. Schließlich werden hier einige meiner Lieblingsraumfahrer getötet – und das gleich mehrfach. Zeitschleifen sind eine fiese Angelegenheit. Dennoch eine der unterhaltsamsten, ökonomischsten Folgen der Serie, man hat den Eindruck, mehr Handlungen und Varianten zu sehen, als eigentlich in 43 Minuten passen würden. Problematisch finde ich nur das Ende, weil sich hier gleich eine ganze neue Folge ankündigt, die dann nie produziert wurde. Kelsey Grammar darf sich kurz ins Star Trek-Universum schleichen, wie er und seine Crew ihre jahrzehntelange Abwesenheit aufnehmen, wird hingegen nicht gezeigt. Ein Wermutstropfen in einer ansonsten rasanten Geschichte.


03.) IN DEN SUBRAUM ENTFÜHRT (Schisms, 6x05)

Das Abduktionsphänomen auf der Enterprise – was habe ich mich als Kind gegruselt. Es sind einige Suspense-Folgen auf dieser Liste, aber Schisms gehört meiner Meinung nach an die Spitze. Sie ist spannend, unheimlich, baut das Mysterium gekonnt auf und schafft es auch meinem erwachsenen Ich noch einen Schauer über den Rücke laufen zu lassen. Ganz zu schweigen von dem Sounddesign. Spielt die Klicklaute der Subraumwesen und ich werde rennen.

02.) FAMILIENBEGEGNUNGEN (Family, 4x02)

Es dürfte nicht wenige wundern, warum Best of Both Worlds so relativ tief auf der Liste eingeordnet wurde, die Nachfolgeepisode aber so hoch. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen empfinde ich den Zweiteiler als hervorragendes Actionabenteuer, aber Family buchstabiert die Folgen für Picard aus. Es ist nicht einfach damit beendet, dass der Captain sinnierend aus dem Fenster schaut, seine Verletzungen gehen tiefer, was im Spiegel seiner Familie auf der Erde noch gravierender zu Tage tritt. Wenn Picard dann schlussendlich die Kontrolle verliert, sich Wut, Angst und Verzweiflung mischen und er wie ein Häuflein Elend im Matsch sitzt, geht mir persönlich das näher als kaum ein anderer Moment in der Serie. Großartig ist auch, dass sein Bruder nicht vom Saulus zum Paulus wird. Er ist auch am Ende ein knurriger Mann, die Veränderungen in der Beziehung zu seinem Bruder sind vorhanden, aber noch nicht beendet. Zum anderen hat sich die Episode, wohl aufgrund der genannten Eigenschaften, so in mein Gedächtnis eingebrannt, dass der Moment im Spielfilm Treffen der Generationen, als wir mit Picard vom Tod seiner Familie erfahren, mich immer wieder in Tränen ausbrechen lässt. Ich weiß, viele empfinden wenig bis nichts an dieser Stelle bzw. finden es unangebracht, so etwas auf Figuren aufzubauen, die in nur einer Episode dabei waren, aber für mich ist es wie ein Schlag in die Magengrube – eben weil Family so eine hervorragende Vorarbeit geleistet hat.


01.) WEM GEHÖRT DATA? (The Measure of a Man, 2x09)

Trotz des nicht von der Hand zu weisenden Einwands, die Serie habe erst mit der dritten Staffel zu wahrer Größe gefunden, muss ich nach allen sieben Jahren und 178 Folgen konstatieren, dass für mich nichts über The Measure of a Man geht. Diese Folge verkörpert in gewisser Weise alles, was man an Star Trek einfach lieben muss: das ethische Dilemma, das Wichtiger nehmen von Ideen gegenüber Raumschlachten, die Ausbuchstabierung eines Problems, dass sich im Gewand der Science-Fiction als gegenwärtig recht virulent erweist. Die Verhandlung, ob Data als Lebewesen oder schnöde Maschine zu behandeln wäre, ist selbst wenn man den Ausgang kennt spannend und vor allem leidenschaftlich inszeniert. Es geht um etwas, was das Konzept der Sternenflotte in ihren Grundfesten berührt. Es ist Star Trek in einer Nussschale. Oh, und als Riker einen von Datas Schwachpunkten entdeckt, siegessicher lächelt, nur um dann zu bemerken, über was er sich da freut? Grandioser wurde Jonathan Frakes‘ Schauspiel in der gesamten Seriengeschichte nicht. Eine schlicht fantastische Episode.



Zuguterletzt die Folgen, die es (mitunter knapp) nicht auf die Liste geschafft haben:

Die Thronfolgerin (The Dauphin, 2x10)
Riker unter Verdacht (A Matter of Perspective, 3x14)
Versuchskaninchen (Allegiance, 3x18)
Der Sammler (The Most Toys, 3x22)
Die ungleichen Brüder (Brothers, 4x3)
Datas Tag (Data's Day, 4x11)
Datas erste Liebe (In Theory, 4x25)
Darmok (Darmok, 5x2)
Ich bin Hugh (I, Borg, 5x23)
So nah und doch so fern (The Next Phase, 5x24)
Todesangst beim Beamen (Realm of Fear, 6x2)
Datas Hypothese (The Quality of Life, 6x9)
Das fehlende Fragment (The Chase, 6x20)
Gefangen in einem temporären Fragment (Timescape, 6x25)
Traumanalyse (Phantasms, 7x6)
Ort der Finsternis (Dark Page, 7x7)
Radioaktiv (Thine Own Self, 7x16)
Gestern, heute, morgen (All Good Things ..., 7x25/7x26)

Montag, 18. Januar 2016

Serienprotokoll (11)




BLACK MIRROR (Staffel 1 & 2)

Je mehr ich von ihnen sehe, umso mehr gefallen mir Anthologieserien. Sie kommen nie in den Verdacht, eine behagliche Kuschelatmosphäre des Bekannten zu verströmen, weil sie in jeder Folge etwas Neues bieten. Und meine Güte, wie sehr fordert die britische Serie Black Mirror den Zuschauer jedes Mal aufs Neue. Gerade einmal sechs Folgen umfassen die bisher existierenden zwei Staffeln der Serie (plus einem Weihnachtsspecial) und sie bieten genug Denkstoff für Tage. Die Serie ist auf eine Art bösartig, die nie plakativ wirkt, in der Analyse wird sie oft sogar noch grauenvoller, als die erste Ebene suggerieren mag. Wer ihr Technikfeindlichkeit vorwirft, weil sie sich mit den negativen Auswirkungen moderner (und weitergedachten) Technologien beschäftigt, tut ihr Unrecht und verharrt an der Oberfläche. Black Mirror ist schlicht grandios. Zu viel über die Plots zu verraten, wäre ein Frevel, darum sei jedem nur ans Herz gelegt, sich in den Sog der dramaturgisch durchweg cleveren Episoden zu begeben. Selbst die schwächste Folge Black Mirror ist gehaltvoller als vieles andere, was man in punkto Fernsehserien allgemein geboten bekommt.

3.5/4



DR. HOUSE (Staffel 1-6)

Nach Jahren von sporadischen Episodenschnipseln wird nun auch diese Kultserie chronologisch nachgeholt und was soll man sagen: Dr. House ist feinste Unterhaltung, die dramaturgisch zwar erst mit der dritten Staffel in Fahrt kommt und das bis dahin etablierte Schema aufzubrechen beginnt, das Interesse aber kontinuierlich dank der gut geschriebenen Figuren wachhält. House ist das eloquente Ekel, dass jeder manchmal gerne sein möchte und die menschlichen Gegenparts in Form von Dr. Cuddy, Dr. Wilson und House‘ Team reiben sich mitunter auf so spektakuläre Weise aneinander, dass es eine wahre Freude ist, zuzusehen. Die seltenen Krankheiten und Verläufe sind (augenscheinlich) sehr gut recherchiert und bestärken den Zuschauer wieder einmal darin, dass der menschliche Körper der Feind Nummer Eins ist. Dr. House ist ein Musterbeispiel für eine Serie, die sich leicht konsumieren, dabei aber clevere Drehbücher nicht außer Acht lässt. So funktioniert sie auf mehreren Ebenen und auch das ist ein Gewinn. Und gerade dank des großartigen Hugh Lauries kann man den Kult auch sehr gut nachvollziehen.

3/4 (beste Staffeln: 3 und 4, No. 6 ist aufgrund des Beginns die bisher schwächste, macht das aber durch ein sehr gutes Finale wieder wett)



GRACE & FRANKIE (Staffel 1)

Zwei Ehemänner, erfolgreiche Anwälte, eröffnen ihren langjährigen Ehefrauen, dass sie seit 20 Jahren eine Affäre miteinander haben, sie verlassen und endlich als homosexuelles Paar zusammenleben wollen. Die Prämisse könnte der Aufhänger für ein Drama sein, diese Netlix-Serie nimmt aber den Weg Comedy. Bestenfalls geht das Ganze noch als Dramedy durch, in der weder das eine, noch das andere Element sonderlich zufriedenstellend ausgearbeitet wird. Es gibt zwar einige genuin lustige Momente und gerade das Staffelfinale weist den Weg zu einer wahrlich dramatischen Konfrontation mehrerer Charaktere, aber Grace & Frankie ist insgesamt etwas unentschlossen. Uneindeutigkeit ist nicht per se schlecht, aber hier finden die zwei Elemente nie wirklich zusammen. Anders als anderen Serien in diesem Protokoll gelingt die Genre-Durchlässigkeit kaum. Hinzu kommt die mangelnde Chemie zwischen den beiden männlichen Protagonisten, was den Aufhänger der gesamten Sache auf ziemlich wackligen Füßen stehen lässt. Insgesamt okay, aber mit Potenzial zu mehr.

2.5/4



iZOMBIE (Staffel 1)

Oberflächlich betrachtet sollte iZombie nicht so gut sein, wie die Serie de facto daherkommt. Eine Ermittlerin mit besonderen Fähigkeiten, die so teilweise groteske Todesfälle aufklärt – innovativ ist das nicht, auch wenn die Protagonistin ein Zombie ist und durch das Verspeisen von menschlichen Gehirnen einen Teil der Erinnerungen der Toten aufnimmt, um durch die so entstehenden Visionen zur Aufklärung von Mordfällen beizutragen. Wie praktisch so ein Doppelleben als Angestellte in der Polizeipathologie doch ist. Doch iZombie, eine Comicverfilmung, die viele der aufwendigeren und seltsamen Elemente der Vorlage zugunsten der Kernprämisse außer Acht lässt, ist eine höchst unterhaltsame Serie. Protagonistin Liz ist wie die anderen Figuren sehr sympathisch, die Übernahme von Charaktereigenschaften der Toten, deren Hirne sie isst, immer wieder kreativ und dank der übergreifenden Handlungsstränge erstarrt iZombie auch nicht in Routine. Spannend, witzig, mit viel Liebe geschrieben und mit einem ganz eigenen Charme in der Gestaltung ist dies Unterhaltung in reinster Form. iZombie will gar keine Berge versetzen und genau da liegt die Stärke der Serie.

3/4



THE LAST MAN ON EARTH (Staffel 1 & 2)

Eine Serie über den letzten Mann auf Erden – wie soll so etwas funktionieren? Ganz einfach, indem er nicht der Letzte ist. Die mit der ersten Vorschau versprochene Prämisse, Will Forte bei allerlei skurrilen Aktivitäten auf einem menschenleeren Planeten zuzusehen, wird gleich mit der ersten Folge über Bord geworfen. Nachdem ein Virus so gut wie die komplette Weltbevölkerung dahingerafft hat, trifft der Protagonist Phil Miller schnell auf weitere Überlebende, und wie es sich für eine selbsternannte Comedy gehört, hangelt man sich dann von grotesker Situation zu Situation. Das klingt schlimmer, als es im Endeffekt ist und auch wenn man Phil in der ersten Staffel mehr als einmal an die Wand klatschen möchte, zeigt die Serie doch sehr schnell und sehr deutlich, dass sie ein genuines Interesse an menschlichen Beziehungen hat. Vieles ist selbstredend überspitzt, aber The Last Man On Earth zieht seine Attraktivität vor allem aus dem genauen Beobachten von zwischenmenschlicher Interaktion. Mit dem Beginn der deutlich besseren zweiten Staffel hat die Serie ihre Mitte gefunden, die Beziehungen der Figuren untereinander werden dynamischer, vor allem die zwischen Phil und Carol wird vom Störfaktor zum genuinen fluff. The Last Man on Earth ist spannend, ohne eine Thrillerserie zu sein, witzig, ohne sich allen Statuten gerade der US-Genrespielweise zu beugen, nachdenklich, ohne dass sie ins melodramatische absinkt. Es ist eine Serie, die geschickt und vor allem sehr unterhaltsam zwischen den Genres laviert. Auf Phil Miller und seine Mitstreiter sollte man auch weiterhin ein Auge haben.

Staffel 1: 3/4
Staffel 2: 3.5/4



MARVEL’S AGENTS OF S.H.I.E.L.D. (Staffel 1)

Der Backlash für den zweiten Avengers-Film hat es bereits gezeigt: MARVEL ist selbst bei den interessierten Nerds nicht mehr der über alles erhabene Platzhirsch. Ganz davon ab, dass das Universum mit jedem neuen Film dem Schicksal der Comics näher kommt, zu einem irgendwann nicht mehr überschaubaren und letztlich auch belanglosen Konglomerat zu werden. Und jetzt auch noch TV-Serien, die innerhalb der Kontinuität spielen!
Agents of S.H.I.E.L.D. ist denn auch eine leidlich unterhaltsame Angelegenheit, die eher wie eine 90er-Jahre-Serie wirkt. Die Missionen sind meist austauschbar, die Figuren durch ihre stereotype Besetzung ebenso und visuell ist die Serie nur in wenigen Momenten wirklich einfallsreich. Colsons Hirn-OP ist zwar der Stoff, aus dem Alpträume gestrickt sind, aber dies gehört zu den wenigen wirklichen Highlights der Staffel. Leidlich unterhaltsam ist das Ganze ja durchaus, aber Agents of S.H.I.E.L.D. beweist auch im Kleinen, dass der Name MARVEL nicht zwangsläufig ein Erfolgsgarant ist. Wenn sich die Serie mit Staffel 2 nicht radikal aus ihrer genügsamen Ecke bewegt, sehe ich eher schwarz.

2.5/4



UNBREAKABLE KIMMY SCHMIDT (Staffel 1)

Bemüht ist wohl das Wort, das am ehesten diese Netflix-Comedy beschreibt. Die überdrehte Geschichte einer jungen Frau, die jahrelang von einem seltsamen Sektenführer in einem unterirdischen Bunker im Glaube gelassen wurde, die Erde sei untergegangen und schließlich gerettet wird, um sich den Widrigkeiten der Moderne gegenüberzusehen, hätte auch der Stoff für ein Drama sein können. Aber da man aus Unbreakable Kimmy Schmidt nicht einmal eine Dramedy, sondern einfach eine Sitcom entstehen ließ, verbieten sich natürlich alle düsteren Implikationen, die die Prämisse bei genauerem Hinsehen mit sich bringt. Stattdessen folgt man der naiven Kimmy bei ihren Gehversuchen in New York, dabei, wie sie neue Freunde und einen Job findet und ganz, ganz am Rande auch, wie sie über die Welt staunt, die sich während ihrer „Abwesenheit“ entwickelt hat. Denn am Clash zwischen Kimmy und der Gegenwart hat die Serie paradoxerweise kaum Interesse. Stattdessen wird die reichlich enervierend geschriebene Figur in die gängigen Sitcom-Situationen gebracht, die sie mit ihrem fast schon abartig positiven Wesen durchstehen muss. Das ist meistens weder besonders witzig noch besonders clever. Erst am Ende, wenn die Serie zu einer brillanten Satire auf das US-amerikanische Justizsystem wird, beginnt sich echter Elan und echtes Interesse zu entfalten. Ansonsten ist diese Comedy eher vergessenswert und wenn nicht einige Stellschrauben kräftig korrigiert werden, sieht es für das Gelingen einer zweiten Staffel düster aus. Das Beste, was letztlich aus Unbreakable Kimmy Schmidt hervorgegangen ist, ist der Theme Song-Mashup mit Mad Max: Fury Road. Hm.

2/4



THE WALKING DEAD (Staffel 5)

Inzwischen bin ich in punkto The Walking Dead beim vergnüglichen Hatewatching angekommen. Während der Comic sich aus seinen Tiefs immer wieder fängt und seine Charaktere weitestgehend fair behandelt, ist die Serie inzwischen bei hochwertig produzierter, gepflegter Langeweile angekommen. In Retrospektive war ich wohl auch zu der vorherigen Staffel noch zu milde. Wie dem auch sei, Staffel Fünf ist ein heilloses, lustlos herunter gespultes Durcheinander von Handlungssträngen und einer Gleichgültigkeit gegenüber den Figuren, die bemerkenswert ist. Die Staffel hetzt unfokussiert von einer Location zur Nächsten, lässt das Potenzial der bemerkenswert bekloppten Einrichtung Terminus verpuffen, weiß nichts mit dem Krankenhaus anzufangen und transportiert die Figuren dann plötzlich fast 700 Meilen von Atlanta nach Washington D.C., was in der Serie als ein Fußmarsch von 100 Meilen heruntergespielt wird (dies ist angesichts der immer gleichen Ansichten der immer gleichen fünf Quadratmeter Wald allerdings auch egal – die „Bühnen“ sind in der Serie inzwischen frustrierend austauschbar geworden). Es wirkt viel zu oft so, als hätten die Macher inzwischen jeglichen Elan dran gegeben, egal was sie tun, die Serie wird ohnehin geschaut. Einzig der neue Charakter Gabriel hat seine Übertragung von einem Medium ins nächste sehr gut überstanden und die Sequenz in der Scheune, als Zombies während eines Gewitters versuchen, sich Zutritt zu verschaffen, ist das einsame Highlight der Staffel. Ansonsten ist The Walking Dead wieder bei seiner Angst vor schwarzen Männern angekommen (allein drei sterben in dieser Saison, alle intelligenter und interessanter als Rick, dem Andrew Lincoln zunehmend nicht mehr gerecht wird) und metzelt auch sonst Charaktere nur noch wegen des „Schockeffektes“ dahin. Ist ja auch egal, wie viel in Gareth als Antagonist steckte, der Zuschauer dürstet danach, ihn grausam sterben zu sehen. Gähn.
Es wird immer mehr gewahr, wie sehr The Walking Dead als Serie dahin strauchelt. Die Hoffnung aus Staffel Eins ist schon lange einer Ernüchterung gewichen, die der redundanten Zombiesaga im Kern ihres Wesens nicht würdig ist. Und diesmal gibt es nichts, was auf eine bessere nächste Staffel hoffen lässt.

2/4

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Serienprotokoll (10)




BLOODLINE (Staffel 1)

Vom Duktus und auch ein bisschen von der Intention erinnert die Netflix-Serie Bloodline an Rectify, ohne deren Größe und Konzentration zu erreichen. Der Geschichte um eine Familie, deren ältester Sohn nach langer Zeit wieder nach Hause zurückkehrt und eine ganze Kaskade von Ereignissen in Gang setzt, die sich alle auf die schmerzvolle Familiengeschichte zurückführen lassen, hätten zum einen weniger Episoden gut getan. Straffung ist nicht gerade Bloodlines Sache, man kann zwischendurch auch mal zwanzig Minuten die Gedanken schweifen lassen und verpasst nichts, was für die Handlung oder die Charakterentwicklung nötig wäre (etwas, dass bei Rectify nicht möglich gewesen wäre). Es gibt natürlich großartige Charaktermomente, Handlungen der Figuren sind nicht immer vorhersehbar, der Vorspann für sich ist schon ein kleines Highlight, die Schauspieler sind teilweise von hypnotischer Größe, insbesondere Ben Mendelsohn. Dennoch verwechselt die Serie zu oft eine ruhige Inszenierung mit einer schleppenden, eben weil man die Charaktere nicht entwickelt. Am Ende kennt man mehr Geheimnisse, aber in ihrem Wesen sind die allermeisten Figuren zum Schluss der Staffel nicht sonderlich weiter als zu Beginn. Es drängt sich des Öfteren auf, ob es Bloodline nicht besser zu Gesicht gestanden hätte, als zehnteilige Miniserie zu existieren, anstatt nun auch noch eine zweite Staffel nachzuschieben. Denn dies hätte den „Zwang“ zu einer durchdachteren Inszenierung mit sich gebracht und Bloodline wahrscheinlich konzentrierter daherkommen lassen. Es gibt Spielfilme, die in unter zwei Stunden mehr über Schuld, Sühne und dunkle Familiengeheimnisse erzählen als diese Serie mit über 13 Stunden Laufzeit.

2.5/4


FEAR THE WALKING DEAD (Staffel 1)

Ach, du meine Güte. Was soll man dazu bloß sagen? Im Selbstverständnis (und nach den Medienbuzz wahrscheinlich gar nicht so unberechtigt) eine der wichtigsten und meisterwartesten Serien des Jahres ist Fear the Walking Dead eine einzige Schau der verpassten Möglichkeiten, eine Beleidigung des Franchises, dass mit einer durchdachten Comicserie begann und in Form seiner TV-Adaption inzwischen eine Quelle ewigen Kopfschüttelns ist. Fear the Walking Dead will die Vorgeschichte jener vollendeten Apokalypse zeigen, der die Figuren in der Mutterserie gegenüberstehen und schafft es, einen Zombie-Outbreak langweilig zu machen. Dabei ist es gar nicht der vergleichsweise niedrige Actiongehalt, der sauer aufstößt (dass dies kein Nachteil ist, hat unlängst der Spielfilm Maggie eindrucksvoll bewiesen), sondern die völlig hohl und uninteressant geschriebenen Charaktere, denen zu folgen keine Freunde bereitet. Es ist schlicht egal, wer lebt, wer stirbt, wer in Gefahr gerät, die Protagonisten sind derartig farblos, dass man sie manchmal schon vergisst, während sie sich noch durch ihre Szenen lavieren. Bei aller Kritik an The Walking Dead schafft es die Hauptserie immerhin, öfters selbst Interesse an kleinen Nebenfiguren zu generieren. Die einzigen Protagonisten, deren Schicksal mich persönlich interessiert hätte, wäre die freundliche Familie von nebenan gewesen, die ein Fest für ihre Tochter vorbereitet – und die hat keine fünf Minuten Screentime in denen sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlenden sechs Folgen. So ist Fear the Walking Dead wie ein Worst-Of der Hauptserie komplett mit Langeweile, dummen Figuren (Die Militärs! Die Militärs!) die sich blöd verhalten und einem emotionalen Vakuum, dass erschreckend ist. Wir sollen den Untergang der Zivilisation durch die Charaktere nachvollziehen können, dies gelingt nur in einigen wenigen, kurzen Szenen. Fear the Walking Dead ist leidenschaftslos, hochwertig produziert, aber ohne Seele. Die 30-sekündigen Trailer waren spannender als alles, was diese lieblos zusammengeschusterte Zweitverwertung zu bieten hat. Gratulation, Fear the Walking Dead, du hast es geschafft, eins der uninteressantesten Zombie-Medienprodukte aller Zeiten zu sein. Auch eine Leistung – irgendwie.

1.5/4


GAME OF THRONES (Staffel 5)

Um es kurz zu machen: es hat sich kaum etwas gegenüber der vierten Staffel verändert. Das Produktionsniveau ist hoch, Tyrion ist großartig, es gibt genügend WTF?-Momente, einzelne Handlungsstränge weisen endlich konkreter in die Zukunft, der Zuschauer wird weiterhin mit nackten sowie zerstörten Körpern geködert. Game of Thrones ist wie gehabt Eskapismus pur, die politischen Implikationen werden allerdings gefühlt immer weniger. Ach, und das Ende kann doch niemand für voll nehmen, oder? Da gibt es doch so eine gewisse Hexe …

3/4


HOUSE OF CARDS (Staffel 1 & 2)

House of Cards oder auch „Politikverdrossenheit – Die Serie“.
In einer Welt, in der die Menschen im Westen immer mehr den Glauben an die politische Partizipation verlieren ist diese hochgefeierte Serie natürlich genau das Richtige auf deren Mühlen. Korruption in der Politik soll selbstredend thematisiert werden, schließlich gehört dieses Topos nicht erst seit den Zeiten von „New Hollywood“ zum erzählerischen Standardrepertoire. House of Cards beherrscht zudem die Mittel der Manipulation, indem sich der Zuschauer immer wieder dabei ertappt, dass er die Daumen für Hauptfigur Underwood drückt, obwohl er der Antiheld par excellence ist. Underwood ist, wie seine Frau, ein Soziopath, ein Manipulator auf höchster Ebene, dem seine Karriere über alles geht. Dabei ist es bei Kevin Spaceys durchgängiger Interpretation erstaunlich, dass niemand, der ihn wählt, seiner Kälte gewahr wird (auf Wahlveranstaltungen gibt sich Underwood auch nicht anders als hinter verschlossenen Türen) und trotz der stimmigen Atmosphäre, der guten Kameraarbeit und den gekonnt auf Spannung getrimmten Drehbüchern fehlt der Serie etwas. Allen voran ist es ein/e GegenspielerIn, der/die Underwood nicht nur ebenbürtig ist, sondern der oder die auch nicht so schnell aus dem Weg geräumt werden kann. Denn es läuft alles viel zu glatt, zu geschmeidig ab, gerade beim beliebten binge-watching wird gewahr, wie wenig Gegenwehr Underwood auszustehen hat, trotz kleinere Cliffhanger. Er erscheint wie der einzig wirklich Intelligente im Ensemble, niemand kann ihm etwas entgegensetzen. Dieses Muster wird schnell durchschaubar und birgt jenen potenziell gefährlichen Kern, der die Frustrierten nur in ihrer Weltsicht bestätigt: man kann ja doch nichts ändern. House of Cards ist wie die langgestreckte Variante von George Clooneys durchdachteren Film The Ides of March, dem Zeugnis politischer Enttäuschung, dass sich aber differenzierter mit Ursachen, Zwängen und Wirkmechanismen auseinandersetzte. In den ersten beiden Staffeln spielt House of Cards frustrierend beständig denen in die Hände, für die Politiker per se alle Frank Underwoods sind. Es wird Zeit, dass sich die Serie um mehr Differenziertheit bemüht, sonst kann selbst die solide Inszenierung diesen Reigen nicht retten.

2.5/4


DIE LANGEN GROßEN FERIEN (Komplette Serie)

Ja, ich weiß, ich kritisiere viel. Das kommt wohl davon, wenn man viel sieht. Darum ist es immer ein besonderes Highlight, wenn man etwas entdeckt, dass so nahezu perfekt ist, dass man vor Freude weinen möchte. Gut, in der französischen Zeichentrickserie Die langen großen Ferien gibt es auch sonst einiges zum weinen, aber das nur am Rande.
Die Geschichte eines Geschwisterpaares, dass die Jahre 1939 bis 1945 bei ihren Großeltern in der Normandie verbringt und dort mit all den Auswirkungen des tobenden Weltkrieges und der deutschen Besatzung konfrontiert werden, ist auf so vielen Ebenen grandios, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da wären zum einen die technische Seiten, die gelungene Animation und die hübschen Layouts, aber noch mehr punktet die Serie durch ihren Inhalt und ihre Handhabung. Wenn man je von etwas gesprochen hat, dass für die gesamte Familie geeignet ist, dann ist es diese Serie. Erwachsene werden ebenso ergriffen wie ihre Kinder gerecht, aber in keinster Weise beschönigend, dieses grausame Kapitel der Menschheitsgeschichte vermittelt bekommen.
Menschen sterben in Die langen großen Ferien, nicht nur gesichtslose Platzhalter, sondern Protagonisten, niedliche Tierfiguren fallen hungrigen Nazis oder Bomben anheim, Okkupation und Deportation werden ebenso thematisiert wie kalter Opportunismus auf Seiten der Franzosen und Zweifel am Nationalsozialismus auf Seiten der Deutschen. Es ist die emotionale Bandbreite und Tiefe, die die Serie in gerade einmal zehn Folgen á 25 Minuten erreicht, die beeindruckt. Die langen großen Ferien ist spannend (auch für Erwachsene, falls immer noch jemand daran zweifelt), involvierend, wunderschön und todtraurig zugleich, didaktisch ohne schulmeisterlich zu wirken. Die Europäer schielen immer in die USA, wenn es um Quality-TV geht. Dabei zeigt diese kleine und doch so unendlich große Trickserie, dass dies nicht nötig ist: die Qualität ist längst da und sie ist beeindruckender als ganze Zyklen „echter“ Serien.

4/4


LILYHAMMER (Staffel 3)

Es ist vorbei. Zum Glück, möchte man sagen. Das etwas unerwartete Aus für die in Kooperation von Netflix und dem norwegischen Hauptsender NRK entstandene Serie sorgt zwar für kein definitives Ende (es gibt genügend Stränge, die auf eine vierte Staffel verweisen), aber nachdem sich Lilyhammer auch in der dritten Runde nicht fangen konnte war es wohl nur konsequent, den Stecker zu ziehen.
Nach der durchaus unterhaltsamen ersten Staffel baute die Geschichte des Mafiosi Johnny in Norwegen und seinen kruden Geschäften in der zweiten Season deutlich ab und auch der dritte Anlauf setzt die Fehler weiter fort. Unkonzentrierte Sprunghaftigkeit, enervierende Charaktere (warum, oh warum nur, musste man Jan wiederbringen?), fahrige Inszenierung. Von einigen Highlights des schwarzen Humors abgesehen (Stichwort Leuchtrakete) ist Lilyhammer auch in der dritte Staffel eher ein leidlich interessanter Lückenfüller denn eins der TV-Highlights, das den Machern sicherlich vorschwebte. Das Produktionsniveau ist hoch, der Inhalt belanglos und viel öfter, als es der Serie gut tut, langweilig. Hoffentlich kommt kein anderer Sender auf die Idee, Lilyhammer zu retten.

2/4


THE 100 (Staffel 1)

Nun gut, was soll man sagen? Eine weitere vom US-Sender The CW produzierte Lackserie mit einer Armada von pretty faces und einer Hochglanzoptik, in der selbst Verletzungen sexy sind. The 100 ist Fernsehen wie ein Verkehrsunfall: man will nicht hinsehen, tut es doch und büßt dabei einen kleinen Teil seiner Würde ein. Denn die Story über eine durch einen Atomkrieg verwüstete Erde, auf die von der letzten Bastion der Menschheit, der Raumstation Ark, jugendliche Delinquenten geschickt werden um kostengünstig herauszufinden, ob der Planet wieder bewohnbar ist, drückt ganz primitive Knöpfe: Malen-nach-Zahlen-Charakterisierung, eine ebensolche Dramaturgie, plumpe Cliffhanger. Dabei versucht sich die Serie an gesellschaftlichen Kommentaren, etwa zur Folterproblematik, ohne dass diese Gewicht hätten.
Und wie könnten sie auch, The 100 ist eine Teenieserie (was nicht einmal etwas mit dem Alter der Figuren zu tun hat), die ihr Publikum konstant für dümmer hält, als es ist. Actionlastig ohne involvierend zu sein, plakativ und vorhersehbar plätschert die Serie dahin, voll mit langweiligen Stereotypen, archaischen Erzählmustern und uninspirierten Dialogen. Für den deutschen Erstausstrahlungssender ProSieben war es ein Quotenhit, was nicht auf künftige Programmplanungen hoffen lässt. The 100 ist Fernsehen, wie es der Zuschauer eigentlich nicht verdient hat.

1.5/4


TRUE BLOOD (Staffel 7)

Ich hatte die Hoffnung aus gutem Grund aufgegeben, dass True Blood seiner eigenen Prämisse endlich auch auf der soziologischen Ebene gerecht werden würde, denn auch in der finalen Season entschied man sich, wann immer möglich, für die Trash-Route. Und nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: ich liebe guten Trash und True Blood liefert davon eine ganze Menge, auch im letzten Jahr (Erics finaler Werbespot ist pures Gold wert). Staffel 7 geht einige dramaturgische Wendungen ein, die ich nicht für möglich gehalten hätte (Profit & Heilung kombiniert mit Rache wäre so ein Stichwort), gerade im Hinblick auf den unbedingten Trash-Willen der Serie, liefert genug Futter für uns Jessica/Hoyt-Shipper und kracht am Ende noch einmal gewaltig aufs Gesicht, wenn Bill eine seiner kruden Nummern abzieht und Sookie eine irgendwie seltsame „Heimchen-am-Herd“-Rolle zugeschoben bekommt. True Blood endet dann so bemüht versöhnlich, dass man kaum glauben kann, dass dies die Serie der zertretenden Köpfe und explodierenden Körper ist. Und dennoch, und dies war stets eine der bemerkenswerten Eigenschaften der Serie, fügt sich das Ganze zu einem durchaus unterhaltsamen Ganzen zusammen. True Blood bleibt bis zum Schluss eine Serie wie ein guter Pulp-Roman: es ist teilweise hanebüchen, was dort passiert (und es gibt diverse Charaktere, allen voran Tara, denen rein dramaturgisch ziemlich Unrecht getan wird), aber es ist so flott und ohne jeglichen Leerlauf inszeniert, angereichert mit genügend Fanservice (die Sequenz mit der Anwältin, anyone?), dass es schwer fällt, nach all den Jahren True Blood noch irgendetwas in Richtung mangelnden Subtext vorzuwerfen (auch wenn ich es gerne tun würde, aber das habe ich ja eigentlich auch schon ausgiebig bei den anderen Staffelbesprechungen getan). True Blood ist blutiger Spaß, nicht mehr und nicht weniger, und endet mit genügend Verve, dass man nicht wie beispielsweise bei How I Met Your Mother zurück im Zorn blickt. Das ist in der Serienlandschaft auch etwas wert.

3/4