Mittwoch, 19. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 19



Tag 19 – Welcher Film hat dich zuletzt stark beeindruckt?

Just the Wind. Ganz einfach Just the Wind, das ungarische Drama um den letzten Tag im Leben einer Roma-Familie im Hinterland jenseits von Budapest.


 Warum? Weil der Film es geschafft hat, mich mit wenigen, präzisen Gesten und einer absolut kongenialen Machart in den Bann zu ziehen. Die Hitze des Sommers trieft aus jedem Frame, man kann sich in die Figuren hineinversetzten, obwohl verhältnismäßig wenig gesprochen wird und die Schilderung von sozialen Spannungen ist genau im Gleichgewicht zwischen subtil und plakativ. Ich wurde förmlich hineingesaugt in diesen Film und ich denke, die 3.5 Sterne-Wertung kann ruhig auf 4 erhöht werden. Selbst die Elemente, die auf den ersten Blick nicht funktionieren (und das sind sehr wenige) können das positive Gesamtbild nicht trüben. Ich bin immer noch geradezu schockiert darüber, dass der Film mit nur drei (!) Kopien in ganz Deutschland vertreten war. Just the Wind geht mir immer noch nach und ich denke, dass qualifiziert ihn für das Prädikat „stark beeindruckend“. 



Dienstag, 18. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 18



Tag 18 – Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht?

So wie ich die Frage interpretiere, sollte es sich um einen einzelnen, vollkommen vernunftbegabten Bösewicht halten, oder? Dadurch fallen die Romero’schen Zombiehorden und der Xenomorph aus Alien wohl raus. Ich muss ja sagen, dass ich ein Faible für die gesichtslose bzw. nicht-menschliche Bedrohung habe (bei mir funktioniert beispielsweise das Creature-Feature Der Nebel sehr gut, während sich meine Frau darüber kaputt lachen kann), aber irgendwie möchte ich keine amorphe Masse wie Der Blob oder die Infektion aus Contagion nennen.

Als ich so über der Frage brütete, fiel mir auf, dass vor allem ambivalente Figuren vor meinem geistigen Auge auftraten. Wenn man streng ist, kann man zum Beispiel V aus V wie Vendetta gleichzeitig als Protagonist und Antagonist verstehen, zwingen seine Handlungen den Zuschauer doch, sich selbst einen Standpunkt zu suchen. Gleiches gilt für Yuri Orlov in Lord of War. Wir verbringen den ganzen Film mit ihm, moralisch bleibt er aber stets extrem zwiespältig (Lord of War ist The Wolf of Wall Street in gut, könnte man sagen).

Wen hätten wir da noch? Ich schätze Kung Fu Panda 2 sehr dafür, dass sie es geschafft haben, aus einem Pfau einen ernstzunehmenden Schurken zu machen. Gary Oldmans Stansfield in Léon – Der Profi ist herrlich überzogen, Christoph Waltz‘ Nazi-Scherge in Inglourious Basterds ist so großartig, dass der Film immer dann abbaut, wenn er nicht in einer Szene ist. Und dann wäre da ja auch immer noch Darth Vader oder Norman Bates.

Aber der Bösewicht, den ich wirklich hervorragend finde, der mir in seiner Alltäglichkeit Angst macht und dann auch noch den Protagonisten des Films stellt, ist Karlheinz Böhm als Mark Lewis in Augen der Angst – Peeping Tom. Wir können gern eine Debatte darüber anstimmen, ob Lewis ein Vollblutschurke ist, ob man ihn nicht eher bemitleidet ob seiner obsessiven Existenz, in der er die Essenz des Todes mit einer Kamera einzufangen versucht, aber für mich ist es gerade diese Banalität, die ihn so wirksam macht. An Menschen wie Lewis geht jeder jeden Tag vorbei und die Vorstellung, von so jemand einfach, aus heiterem Himmel, getötet zu werden, bereitet mir ziemliches Unbehagen. Natürlich kann man immer einwenden, dass die Frauen, die Lewis tötet, etwas zu paralysiert sind, wenn er mit seinem Mordwerkzeug auf sie zu stapft, aber an der Aura dieses Killers mit dem Babyface ändert das für mich nichts. Ein modernes Äquivalent ist für mich der Mörder in 8mm – Acht Millimeter, der einfach sagt: „Ich bin als Kind nicht missbraucht oder misshandelt worden. Es gibt keinen Grund. Ich bin einfach, was ich bin.“


Montag, 17. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 17



Tag 17 – In welchem Film kommt deine Lieblingsfigur vor?

Vor dieser Frage würde ich mich am liebsten drücken, um ganz ehrlich zu sein. Mein erster Reflex war, einfach keine Figur anzugeben und mit dieser Frage ähnlich zu verfahren wie bei den Lieblingsregisseuren etc. Aber ich glaube, das würde nicht gut ankommen, also versuche ich mal, meine Gedankengänge zu bündeln und zu ordnen.

Zuerst ist mir aufgefallen, dass ich bei den positiver besetzten Figuren nicht in der Kategorie Einzelcharakter, sondern in Paaren denke. Mich interessieren und berühren generell die Beziehungen zwischen zwei Figuren mehr. Darum würde ich auch nicht beispielsweise Megamind aus dem gleichnamigen Film als Lieblingsfigur nennen, weil ich zwar sehr mag, ihn aber immer in Beziehung zu Roxanne setze. Oder Professor X und Magneto speziell in X-Men: Erste Entscheidung. Oder Jan und Nina in Fickende Fische.Oder Wikus und Christopher in District 9. Die Liste könnte noch länger werden. Also habe ich mich auf Stand-Alone-Figuren konzentriert, Charaktere, die in meinem Kopf nicht sofort eine Verbindung zu einem anderen haben, sondern auch allein stehen können. Als erstes tauchte Tyrion Lannister aus Game of Thrones auf, aber hier geht es ja um Filme. Was nicht vermied, dass auch noch Londo Mollari aus Babylon 5 und Norm aus Cheers einen geistigen Cameoauftritt absolvierten, gefolgt von Quack aus Duck Tales, Trixi aus Chip & Chap – Die Ritter des Rechts, Raven und Beast Boy aus Teen Titans und Beeker aus der Muppet Show…

Nachdem all diese (und noch viele mehr) an mir vorübergezogen waren, blieb irgendwann nur noch einer übrig: Hellboy. Ja, ich denke, das ist eine akzeptable Wahl, mein Lieblingscomicheld in einer der besten Comicverfilmungen, gespielt vom Veteran der Ganzkörpermaskerade, Ron Perlman. Da kann man kaum etwas falsch machen. Besonders gefällt mir, dass Perlman dem Charakter der Vorlage extrem gerecht wird, ihm aber auch noch stimmige eigene Elemente hinzufügt, beispielsweise eine vertiefte Emotionalität. Aber da sind wir ja schon wieder ganz schnell in den Beziehungsgefilden und Hellboy kann doch auch so gut allein stehen… Wer nur die Filme kennt, sollte sich auch mal an die Comics wagen und ergründen, woher viele der coolen Sprüche, die Perlman als roter Dämon im Dienste des Guten so vom Stapel lässt, eigentlich kommen. „Ich wünschte wirklich, er wäre nicht auf die Zapfsäule gefallen“ oder „Große Worte für einen Mann ohne Hosen“ – herrlich.





Sonntag, 16. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 16



Tag 16 – Welches Genre bevorzugst du zum Entspannen?

Das ist ja genau die richtige Frage für jemanden, der Fachbücher zum Vergnügen liest. Ich befürchte nämlich, ich kann sie nur ungenügend beantworten.

Der Akt des Filme Schauens an sich ist für mich schon Entspannung, da kann es auch ein Drama oder ein Horrorfilm sein. Das Eintauchen in eine filmische Welt ist für mich so erfüllend, dass ich nicht so ganz genau weiß, wie ich jetzt reagieren sollte. Mal schauen. Vielleicht wäre das Ausschlussprinzip sinnvoll?!

Ich gehe mal davon aus, es ist auf folgende Situation gemünzt: Man ist schlapp vom Tag, will nichts großes mehr machen, hat aber noch Energie für einen Film. Okay, in dieser Situation würde ich wohl kein schweres Drama á la 12 Years a Slave mehr in den Player schieben. So sehr ich ihn auch liebe, auch etwas wie 2001 – Odyssee im Weltraum wäre wohl raus – erstens zu lang, zweitens zu fordernd für jemanden, der nur noch wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf dem Sessel hängt. Horror? Zu aufregend. Action? Schon eher, zumal meine Sammlung mich davor bewahrt, ausversehen einen schlechten Genrevertreter zu sehen. Es würde wohl auf Speed hinauslaufen. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, ist einer meiner immer wieder für eine entspannte Zeit herausgesuchter Film Bernard & Bianca im Känguruhland. Also wird meine finale Antwort der Animationsfilm sein, auch wenn das strenggenommen ja kein Genre, sondern eine Kunstform ist. Aber diese Diskussion ist endlos, also lassen wir das an dieser Stelle. Als großer Trickfilmfan bieten mir animierte Filme wohl den schnellsten, unkompliziertesten Weg, um mich zu entspannen und eine gute Zeit zu verleben. Meine Mutter hat mal gemeint, dass sich meine Passion für diese Art Film im Laufe der Jahre bestimmt legen würde. Ein Glück, dass sie unrecht hatte.

Samstag, 15. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 15



Tag 15 – Welcher Film hat dich überzeugt, obwohl er aus einem von dir eher nicht bevorzugten Genre stammt?

Die Frage kann ich leicht beantworten, denn mein erstes Erlebnis in diese Richtung erinnere ich noch gut. Zunächst mal: ich sortiere keinen Film von vornherein aus, nur weil er nicht zu einem meiner favorisierten Genres gehört. Wenn es aber eine Gattung gibt, zu der ich ziemlich wenig Affinität habe, dann ist es der Western. Lange Zeit dachte ich, alle Western wären wie die Karl-May-Filme, die mein Vater und einer meiner Onkel so gern ansahen und da ist der Funke nie übergesprungen. Also mied ich lange Zeit alle Western, bis ich über Harry Tracy – Der letzte Desperado stolperte.


Über den Film selbst kann ich momentan wenig sagen, ich habe ihn seit damals nicht mehr gesehen. Vor kurzem lief er wieder mal im Spätprogramm und ich habe ihn aufgenommen, aber bisher noch nicht erneut gesichtet. Ich weiß aber noch, dass ich von Bruce Derns Darbietung als Titelantiheld beeindruckt war und zum ersten Mal einen Western jenseits der Winnetou-Romantik zu sehen bekam, was mich fesselte und erfreute. Einzelne Bildfragmente habe ich über all die Jahre nicht vergessen und ich bin gespannt, ob der Film meinem heutigen Ich auch standhält. Aber dass ich ihn nach all den Jahren immer noch als eine durchaus definierende Filmerfahrung wahrnehme, spricht wohl nur für Harry Tracy.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich seit dem immer noch nicht viel mehr Western gesehen habe. Tombstone erinnere ich als etwa schleppend und Die glorreichen Sieben ist kein Vergleich zu Kurosawas Vorbild, Die sieben Samurai. Und über ein Genremischmasch wie Cowboys Vs. Aliens schweige ich mich mal aus. Es warten noch diverse Western, von mir entdeckt zu werden und ich hoffe einfach, dass sie allesamt näher an Harry Tracy denn an Karl May stehen. Denn bisher, das muss ich zugeben, ist das Genre trotz positiverer Erfahrungen immer noch ziemlich niedrig auf meiner Präferenzliste angesiedelt.