Donnerstag, 31. Juli 2014

Serienprotokoll (7/Juli 2014)




HOW I MET YOUR MOTHER (Staffel 9)

Auf interessanten Umwegen war es mir im möglich, das Finale von HIMYM ohne illegale Methoden oder ausländische Mediatheken zu sehen, dem norwegischen Fernsehen und einer Unterkunft mit Pay-TV sei Dank. Und dann war es auch noch reiner Zufall, dass ich beim Zappen nahe des Rondane Nationalparks eines Abends die letzten drei Episoden sichten konnte (eigentlich wollte ich berufsbedingt doch nur schauen, wie sich das norwegische Fernsehen so generiert). Damit habe ich zwar nicht alle Folgen der neunten Staffel gesehen, da ich daheim mich einfach an PRO7 gehalten habe, aber, um ehrlich zu sein, ich glaube auch nicht, dass ich mir den Rest anschauen werde, jetzt, wo ich das Finale in seiner ganzen „Pracht“ gesehen habe. Aber der Reihe nach.

HIMYM ist ja langläufig als Kultserie bekannt. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mit ihr warm zu werden und auch wenn ich zugeben muss, dass die Scripte mitunter brillant sind, ist es nie eine Serie geworden, die ich mir in mein DVD-Regal stellen würde. Und ich mag Ted nicht. Wirklich nicht. Die Figur hat viele nette Ansätze, insgesamt aber ist es eine Nervensäge jener Art, die man nicht gern um sich hat. Er ist meistens nicht charmant, auch wenn wir ihn dafür halten sollen, enervierend, mitunter sogar dumm-dreist. Es hat selten Level erreicht, bei denen ich aktiv ans Abschalten dachte, aber Ted ist oft haarscharf daran vorbei geschrammt. Marshall, vor allem in Kombination mit Lily, war da immer der gelungenere Charakter und Barney hatte trotz seines Daseins als moralisch verkommenes Subjekt die Gags meistens auf seiner Seite. Robin hat mir als „Robin Sparkles“ immer am besten gefallen, zumal das einer der besseren Running-Gags war (bleibt mir weg mit den Ohrfeigen). Nun gut. Insgesamt hat mich die Serie dann aber doch meistens gut unterhalten, die Drehbücher waren, wie erwähnt, meistens sorgfältig durchdacht und die dramatischen Elemente übernahmen nie die Oberhand über die komödiantischen.

Vielleicht ist das der Grund, warum es den Serienschöpfern gelingt, mit dem Finale so vieles sehenden Auges an die Wand zu fahren – und wer noch die deutsche Premiere abwarten will, sollte spätestens jetzt aufhören zu lesen. Denn hier kippt die Stimmung vollends Richtung Drama. Wohnte dem Rest der Staffel schon eine unbestreitbare Melancholie inne, wird am Ende so penetrant und so plump auf die Tränendrüse gedrückt, dass man fassungslos dabei sitzt. Dabei ist es gar nicht die Tragik, mit der die Frage nach der Identität und dem familiären Werdegang der Mutter schlussendlich behandelt wird, sondern die Respektlosigkeit, mit der zu Werke gegangen wird. Das plakative Ableben Tracys wird dahingeklatscht, ebenso die Scheidung von Robin und Barney, persönliches Glück ist nur eine Randnotiz, die Schicksalswirren verkommen zum Effekt: Seht her, das ist die Mutter! Und jetzt töten wir sie nach ein paar Standbildern! Ha Ha! Ihr seid geschockt, nicht wahr? Mit dem finalen Zweiteiler zeigt HIMYM dem Zuschauer auf besonders unangenehme Weise eine lange Nase, nur um dann einen holprigen und letztlich auch frustrierenden Bogen zur ersten Folge zu schlagen. Robin/Ted-Shipper wird das freuen, aber HIMYM untergräbt so auch ein Stück weit die Entwicklungsanstrengungen, die von den Charakteren in neun Serienjahren lang unternommen wurden. Spätes Glück unter den bekannten Gesichtern, die Suche nach der Mutter wird so endgültig als plot device entlarvt, um die es nie wirklich ging. Das ist besonders traurig, weil Cristin Milioti ihre Rolle mit viel Elan spielt, sich gut in das Ensemble einfügt und viel zu wenig Screentime hat. HIMYM interessiert sich einfach nicht für die Mutter, sondern für hässliche blaue Hörner und die Negation von personeller Evolution.

So sprengt die neunte Staffel, die ohnehin eine sehr fahrige und anstrengende war, sich am Ende selbst in die Luft. HIMYM ist vorbei und endet auf die denkbar undankbarste Weise. Als Zuschauer kann man damit vielleicht noch umgehen, die Charaktere aber waren bisher besseres gewohnt. Man hat es geschafft, die Serie derartig schlecht enden zu lassen, dass auch der Rest einen Teil seines Wiederanschauwertes verloren hat. Das ist wahrlich nichts, auf dass man stolz sein kann.

1.5/4

Samstag, 19. Juli 2014

30 Jahre Paranoyer




Da gab es ein besseres Unterhaltungsprogramm als heute auf vielen TV-Sendern.

Ich werde heute 30 Jahre alt.

Bedeutet das irgendetwas? Werde ich ein anderer Mensch, wie es mir immer wieder suggeriert wird, nur weil ich rechnerisch heute um 11:28 Uhr seit drei Jahrzehnten auf der Erde bin? Ich bin verheiratet, also komme ich um den seltsamen Brauch des Rathaustreppe fegens herum, was ich persönlich sehr begrüße. Doch was soll diese Aktion und all die süffisanten Kommentare, dass man ja nun dreißig werde? Was soll an dieser Tatsache allein bemerkenswert sein? Der letzte Geburtstag, den ich herbeisehnte, war mein zwölfter, weil ich dann endlich Jurassic Park gucken durfte. Schon mein 18. Geburtstag, auch so ein „verheißungsvolles“ Datum, hat mich kalt gelassen. So wird es damals wie heute kein rauschendes Fest geben und ich werde es auch nicht vermissen. Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt für Dinge, die selbstverständlich sind und altern gehört für mich dazu.
Dennoch, so ganz entziehen kann ich mich meines 30. Geburtstags dann auch nicht, sonst würde ich ja auch nicht diese Zeilen schreiben. Womöglich erklärt es sich so: mit 30 hat man sich die Legitimation erworben, zum ersten Mal ernstzunehmend zurückzuschauen. Noch nicht in einem wehmütigen Sinne, wohl aber in dem Bewusstsein, dass eine Retrospektive mit 30 mehr Sinn macht als mit 18 oder 20.

Ich würde also 1984 geboren. Soziologisch gehöre ich damit zu den sogenannten „Millenials“, weil wir um die Jahrtausendwende im Teenageralter waren. Nun gut. Generation Y gefällt mir da schon allein wegen der (englischen) Aussprache mehr. 1984 war zumindest für Guido Knopp kein aufregendes Jahr, denn in seiner TV-Reihe 100 Jahre – Der Countdown von 1999 wird es einfach ausgespart (dafür ist 1986 dank der Challenger-Katastrophe und Tschernobyl gleich zweimal vertreten). Ein kurzer Blick in den Wikipedia-Artikel zeigt natürlich, dass die Welt auch 1984 bewegt wurde, aber darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass das Privatfernsehen 1984 in Deutschland gestartet wurde oder dass ich mein Geburtsjahr mit Marc Zuckerberg. Scarlett Johannson oder Helene Fischer teile (letzteres ist mir besonders peinlich). Oder darum, dass in Los Angeles die olympischen Sommerspiele stattfanden und mein Vater sich völlig unerklärlicherweise besonders gut mit den Ergebnissen aus diesem Jahr auskennt (dank der Zeitverschiebung lief Olympia in Deutschland zu sonst nachtschlafenden Zeiten)… Nein, es geht vielmehr um ein paar Gedanken anlässlich des Tages, um ganz persönliche Einordnungen. Möge es lesen, wer etwas auf die Meinung eines 30jährigen gibt.

Nochmal Soziologie: Ich bin augenscheinlich auch ein „Digital Native“, weil ich schon von frühster Kindheit mit Computern vertraut bin und den Siegeszug von E-Mail, Instant Messengern und den Mobiltelefonen miterlebt habe. Das ist ja schön und gut, aber ich fühle mich nicht wirklich als „Digital Native“, zumindest nicht in dem (eher negativ konnotierten) Sinn, wie der Begriff oft verwendet wird. Klar, ich hab schon als 6jähriger am PC gespielt und später mit Freunden Super Mario Cart-Turniere veranstaltet, kann mich in den meisten Benutzeroberflächen schnell zurechtfinden und muss beim Klicken durchs Internet nicht lange überlegen, wie ich an eine gewünschte Information komme, aber ich besitze erst seit kurzer Zeit von Smartphone, stelle nicht jeden Gedanken auf Twitter (das, was ihr da seht ist durchaus überlegt) und mein Facebookprofil quillt auch nicht über von Urlaubsbildern oder Selfies (am besten noch mit „duckface“…*ächz*). Ich finde es unhöflich, mit jemanden zu reden und dabei noch die Stöpsel des MP3-Players in den Ohren zu haben oder ständig auf das Handy zu starren. Ich bin auch noch nirgends dagegen gelaufen, weil ich auf ein Display anstatt in meine Umwelt geschaut habe. Und die momentane Offlinephase verursacht mir auch keine Magenkrämpfe.

Dies ist ein Medienblog, zumindest im weitesten Sinne. Was man wohl sagen kann, ist, dass die Generation Y sehr viel mehr multimedial vermittelte Inhalte zu ihren Erinnerungen zählt als die Generationen zuvor. Über die Disney-Serien der frühen Neunziger besteht Konsens – jeder kann die Theme Songs mitsingen. Mir geht es da nicht anders. Dennoch war es „damals“ eine doch bemerkenswert andere Welt. Ich habe noch Hörspiele und Musik von LPs gehört und hatte verhältnismäßig lange einen Plattenspieler im Zimmer. Heute noch steht ein Videorekorder in unserer Wohnung und TV-Aufzeichnungen aus DM-Zeiten warten darauf, doch noch endlich gesichtet zu werden. Überhaupt Deutsche Mark – 3,50 DM hat eine Ausgabe des Dinosaurier!-Magazins gekostet. Ganz schön viel, wenn man für 2,60 DM (später auch stolze 3 DM) oder so auch noch das Micky Maus Magazin Woche für Woche haben wollte. Mein Taschengeld wurde dann später einfach von 30 DM/Monat in 30 €/Monat umgewandelt, die Währungsumstellung hat mir also nur Glück gebracht.


Eine Auswahl von Literatur meiner Kindheit und Jugend.

Ich habe noch Musikkassetten bespielt, also Mixtapes erstellt, oder einfach den Ton meiner Lieblingsfilme mit einem klobigen Recorder direkt vom Röhren-TV aufgenommen, um dann eine Art unkommentiertes Hörspiel zu haben. Der Beginn einer TV-Sendung, wie sie in der Programmzeitschrift angekündigt war, war Gesetz und das deutsche Fernsehen hatte meiner Erfahrung nach noch mehr Mut zum Plündern der Filmarchive – ich habe beispielsweise sehr viele durchaus sehenswerte B-Science-fiction-Filme dank der Filmwochenenden von Kabel 1 oder dem NDR gesehen. Heute habe ich das Gefühl, dass Fernsehen will den Zuschauer nicht mehr überraschen. Aber ich bin ja auch in meiner Generation ein Alien, weil ich schwarz/weiß-Filme anschaue, kein Problem mit Stummfilmen habe und ich vielen Neuerungen, gerade im Bereich des Kinos, kritisch gegenüberstehe. Ich bin immer noch unschlüssig, ob die Computeranimation wirklich eine so über alle Einwände erhabene Technik ist. Bei 3D bin ich mir sicher, dass es kaum einen Mehrwert bringt.

Ich mag das stur nach vorne preschen nicht. Von meiner Anlage her schaue ich auch gern zurück und es ist mir bewusst, dass ich ein gewisses Problem mit Veränderungen habe. Darum kann ich nicht nachvollziehen, wie manche meiner Altersgenossen das Neue beständig umarmen und das Alte im Gegenzug immer mehr verdrängen. Ich mag Orte, an denen es kein WiFi gibt, ich mag Bücher und den Geruch von Papier, auch altem (die oben abgebildeten Groschenromane riechen besonders nach Kindheit), ich schaue im Zug auch einfach mal eine Stunde aus dem Fenster, ohne etwas im Ohr oder in der Hand zu haben. Ich schätze selbstredend all die Möglichkeiten, die man nun hat und die 1984 noch nicht abzusehen waren, mein Job wäre ohne sie gar nicht denkbar. Aber ich denke, Technik wird für mich beispielsweise immer mehr mit dem Raumschiff aus Alien verknüpft sein als mit der gelackten Apple-Welt. Ich mag meine klobige Stereoanlage und ich werde meine Bibliothek nicht einem E-Book-Reader vorziehen, ebenso wenig einer Cloud mehr vertrauen als meinen CDs und DVDs.


...und eine Auswahl meiner frühen "Fachliteratur". :-)

 Heute werde ich 30. Bald werde ich einen neuen Job antreten, den ersten in diesem Ausmaß in meinem Leben. Damit bin ich wohl auch als 1984er spät dran, aber was soll’s? Dies ist nur eine der Neuerungen, die mich auf dem vor mir liegenden Weg erwarten und mit Sicherheit all die Märchen von der „3-0 als Ende des Lebens“ Lügen strafen werden. 30 zu werden ist sicherlich ein Datum zum innehalten, aber kaum eins zum verzweifeln oder resignieren. Ich bin froh, eine noch halbwegs analoge Welt miterlebt zu haben und bin gespannt, wohin der Weg mich in dieser gänzlich digitalen Gesellschaft noch führt. Denn auch wenn viele Erlebniswelten digitalisieren, der Mensch bleibt Mensch. Und mit 30 bin ich einer, mit dem ich trotz diverser Auf und Abs durchaus leben kann.

Montag, 30. Juni 2014

Serienprotokoll (6/Juni 2014)




LILYHAMMER (Staffel 1 & 2)

Wenn ich so richtig faul wäre, würde ich euch an dieser Stelle einfach an diesen Text verweisen, denn Sonja hat diverse Punkte aufgeführt, die auch mir aufgefallen sind. Die norwegisch-amerikanische Koproduktion für Netflix, Lilyhammer, ist schlicht holprig. Aber zumindest die erste Staffel hat mich trotz aller weniger stimmigen Elemente gut unterhalten. Die Serie über einen im norwegischen Lillehammer untergetauchten Mafiosi hat natürlich ihr Päckchen an Klischees zu tragen, aber ich war doch erstaunt, dass die meistens nicht sonderlich penetrant in den Vordergrund geschoben und dadurch unerträglich werden. Der „culture clash“ funktioniert im Großen und Ganzen recht gut, auch, weil man ihn selbstredend nicht allzu ernst nimmt. Da ich Die Sopranos (noch) nicht gesehen habe stören mich auch nicht die berichteten Ähnlichkeiten bzw. Verweise.
Nach einer insgesamt recht vergnüglichen ersten Staffel baut die Serie in der darauffolgenden Season aber merklich ab. Die Handlungen werden unkonzentrierter erzählt, es gibt kein umfassendes Gerüst mehr und es ist bemerkenswert, wie viele interessante Ansätze die Serie zeigt, nur um sie dann vollkommen zu vergessen (Torgeirs sexuelle Verwirrung oder die Beschäftigung mit der norwegischen Asylpolitik, um nur zwei Beispiele zu nennen). Das führt dazu, dass Lilyhammer im zweiten Jahr zwar immer noch diverse unterhaltsame Momente bietet, die Schwächen der Drehbücher und die Unentschlossenheit ihrer Autoren aber sehr viel deutlicher in den Vordergrund treten. Ich hoffe einfach, dass sich Lilyhammer mit der dritten Staffel wieder fängt, denn eigentlich sind die Eskapaden von Frank und seinen Spießgesellen doch eine konsequenzlos-unterhaltsame Angelegenheit. Nur tut man mir hoffentlich den Gefallen und lässt meinen Namensvetter Jan Johansen aus der Geschichte (das Ende der zweiten Staffel lässt hoffen) – es gibt wohl kaum eine Figur, die ich in letzter Zeit mehr im Fernsehen gehasst habe als diesen Widerling.

Staffel 1: 3/4
Staffel 2: 2/4


REAL HUMANS – ECHTE MENSCHEN (Staffel 1 & 2)

Der theoretische Teil meiner Bachelorarbeit trug den Titel More Human Than Human und handelte von der Mensch-Roboter-Beziehung im filmischen Kontext und bezog sich natürlich auch auf meinen Abschlussfilm. Umso erstaunlicher, dass ich jetzt erst die hochgelobte schwedische Serie Real Humans gesehen habe (obwohl sie mir auch schon vor über einem Jahr empfohlen wurde). Aber, meine Güte, hat sich das Warten gelohnt, denn so konnte ich dank ARTE gleich zwei Staffeln hintereinander ansehen und fiebere nun der dritten Season entgegen, die hoffentlich vom schwedischen Fernsehen grünes Licht bekommt. Wenn nicht, wäre das eine mittlere mediale Katastrophe, denn Real Humans ist eine clevere, involvierende, ungemein unterhaltsame Angelegenheit, die sehr von ihrer Unberechenbarkeit lebt. Man ist nie sicher, was den Charakteren als nächstes passiert, welche Wendungen die Narrative nimmt und welche Asse man aus dem Ärmel zaubert. Dabei stellt die Serie auf unaufdringliche Weise (ganz in Opposition beispielsweise zum plakativen Orphan Black aus dem letzten Monat) Fragen zur Mensch-Maschinen-Interaktion, wann ein künstlicher Organismus den Status „lebendig“ bekommen könnte, wo die Unterschiede verlaufen, was für ethische Zerwürfnisse dies mit sich bringt. Real Humans lässt dabei Interpretationsspielraum, beleuchtet bewusst nicht alle Grauzonen und entwickelt mit einfachen Mitteln eine überzeugende Parallelversion der Gegenwart, in der es dank der hochentwickelten Hubots eine eigene Jugendkultur, eine rechtskonservative Kritikerpartei, eine sexuelle Präferenz und allerlei mehr gibt, mit dem sich beide Parteien auseinandersetzten müssen. Real Humans ist dabei so stark, dass selbst Trash-Elemente wie der zum Darkman mutierte Jonas nicht seltsam wirken. Dem Serienschöpfer Lars Lundström ist ein überzeugender Kosmos gelungen, in dem man sich schnell heimisch fühlt. 

Staffel 1 & 2: 3.5/4


SHERLOCK (Staffel 3)

Sherlock muss ja teilweise ganz schön was einstecken, die Serie scheint unter einem ganz besonderen Brennglas begutachtet zu werden. Wahrscheinlich, weil die Prämisse und die handwerkliche Umsetzung so gut sind, dass jeder von Haaren in der Suppe irritiert ist. Ich muss aber zugeben: trotz aller berichtigter Kritik, die man auch an der dritten Staffel ins Feld führen kann (die ungenügende Einführung des neuen „Superschurken“ Magnussen wäre so ein Beispiel) hat mich Sherlock auch im dritten Anlauf voll überzeugt. Für niemanden ist es verwunderlicher als für mich selbst, dass mir die manchmal etwas unausgegorenen Kriminalfälle nicht so wichtig sind wie das Spiel von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Ich schaue die Serie sehr viel mehr wegen der Charaktere und wie sie interagieren als dass mich die Auflösung des „Falls der Woche“ primär interessiert. Und so bin ich in der dritten Staffel voll auf meine Kosten gekommen, auch in der zweiten Folge, die ja als Paradebeispiel für einen verschenkten Krimi-Plot herhalten muss. Ich kann einer Serie, die offen die Existenz von Internet-Slash-Fan Fiction in die Handlung einbaut und deren Hauptdarsteller so verdammt gut aufgelegt sind, einfach nicht böse sein. Da müsste schon unverzeihlicheres kommen als es die dritte Staffel bietet. Und in meinen Augen ist Sherlock nicht auf dem absteigenden Ast.

3.5/4


WELTALL. ECHSE. MENSCH. (Staffel 1)

Michael Hatzius und seine Echse. Oder andersherum? Wenn man der vierteilige Show Weltall. Echse. Mensch. glauben darf ist Hatzius nur ein Geschwür am Rücken der Klappmaulfigur, die Echse zieht die Fäden und besucht so u.a. eine Tierarztpraxis und einen Swingerclub und empfängt in einem Studio in Berlin diverse Gäste. Der zweite Part funktioniert besser als in der WDR-Puppentalkshow Die Wiwaldi Show, weil die Echse das Konzept etwas ernster nimmt und trotz zwei Gästen in den 45-Minuten-Folgen alle ausreichend zu Wort kommen. Insgesamt ist die Show durchwachsen, manchmal durchaus komisch, manchmal platt, manchmal weniger schlagkräftig als man es sich wünschen würde. Die Echse ist eine gelungene Schöpfung und Hatzius gelingt es fast immer, vollkommen hinter seiner Figur zu verschwinden, sowohl körperlich wie auch darstellerisch. Die Show erfindet kein Rad neu, eignet sich aber als genügsamer Comedyhappen für zwischendurch.

2.5/4

Freitag, 6. Juni 2014

Notizzettel #006





Lucas Barwenczik und seinen Blog Kinomensch habe ich gerade erst entdeckt und bin jetzt schon begeistert. Vor allem sein Text zu Sinn und Unsinn, Nutzen und Nachteil der Filmkritik-Aggregatoren wie IMDB und Rotten Tomatoes ist ein Genuss: „Kunst kann nur im eingeschränkten Maße objektiv Bewertet werden. Es kann handwerkliche und technische Fehler geben, Teilaspekte eines Kunstwerks können sachlich analysiert werden. Aber in der Summe ist die Erfahrung des Rezipienten immer eine zutiefst subjektive. Die moderne Kunsttheorie geht soweit, dem Publikum die gleiche Macht bezüglich der Wirkung eines Films zuzuschreiben wie den Filmschaffenden. Kritikaggregatoren bilden diesen Umstand nicht ab. Unzugängliche, kontroverse oder künstlerisch ambitionierte Filme leiden unter den Aggregatoren. Sie bilden den Massengeschmack ab, und zementieren und kanonisieren ihn damit.“


Da habe ich im letzten Serienprotokoll noch gesagt, dass ich ein paar Probleme mit dem Männlichkeitsbild in Breaking Bad habe und dann bringt eine kurze Recherche den lesenswerten Text von Laura Hudson für Wired an den Tag. Besser hätte ich es auch nicht sagen können: „Masculinity in Breaking Bad is a brittle thing, one so terrified of weakness that any display of vulnerability must be punished, and any slight against another man’s power answered with violence – or else perceived as a weakness. We see it in the hyper-masculine culture of both the neo-Nazis and the drug cartel, where the air is always dripping with machismo and vengeance is considered an almost sacred duty. This model of manhood also requires control not only over your own life, but over the lives of others. Think about all of the most iconic moments of the show, the badass lines that made us want to pump our fists: “Say my name.” “I am the danger.” “I am the one who knocks.” “I won.” Every single time, it’s about dominance – not just about having power, but about taking power away from someone else.”


Im Rahmen seiner Laser Age-Kolummne stellt Keith Phipps auf The Dissolve drei Filme vergangener Dekaden vor, die alle auf ihre Art versuchten, den ausschließlichen Fokus auf eine menschliche Sicht der Dinge zu durchbrechen: „Yet a handful of science-fiction films took a different approach to human/animal relations, exploring what it might be like to fulfill the Dolittle-ian dream of talking to the animals—be it in the here and now, a post-apocalyptic future, or on the cusp of some tremendous planet-wide transformation. Perhaps there were stories to tell other than those in which mutated creatures trampled major cities. […]Yet even without it, Phase IV remains a flawed stunner, one that, like Day Of The Dolphin and A Boy And His Dog, offered a vision of the universe without humanity at its center. All three films look to the animals with whom we share the planet, and find in the familiar a glimpse at the great unknown.”


Nochmal The Dissolve, dismal mit einem Beitrag von Matthew Dessem, der uns die Geschichte von The Thief and the Cobbler näher bringt, dem animierten Meisterwerk, dass niemals wirklich lebte: „The Thief And The Cobbler should have been the capstone achievement of one of Great Britain’s finest animators. It was the last great hand-drawn animated film, and the final film of many of the greatest animators of the golden age: men whose careers stretched back to Fantasia and Betty Boop. As it went through iteration after iteration over its three decades of development (by my count, it had 10 different working titles over the years, some repeated), it served as a palimpsest and training ground for a new generation of animators. By the time a butchered version of the film finally limped into theaters, it was famous mostly as a financial and artistic debacle. In the years since, it’s become legendary.“

Mir war die Zoophilie-Doku Zoo viel zu wenig diskursfreudig und in letzter Konsequenz darum zu leer, aber Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen konnte mehr Gefallen an dem Werk finden, auch wenn auch er die offensichtlichen Stolpersteine nicht leugnen kann: „Zoo“ kommt mir jedoch eine Spur zu romantisierend daher. Klar, man möchte Täter und Zeugen frei sprechen lassen, eine Position der Verurteilung oder der Verharmlosung nehmen die Filmschaffenden nicht ein. Ihre Interviewpartner, die mal durch Schauspieler ersetzt werden, manches mal aber auch sie selbst sind, idealisieren in den Interviews ihren Zustand aber sehr wohl. Lügen tun sie sicherlich nicht, aber sie verharmlosen meiner Meinung nach, gibt es doch einfach Themengebiete zum Gesamtbild Sodomie, die schlichtweg übergangen werden. Und scheinbar hatte Devor nicht vor bei solchen Lücken nachzubohren. Er hätte seine Interviewpartner auch frei sprechen lassen können und zu einem späteren Zeitpunkt womöglich entlarvende Fragen zu ausgelassenen Themengebieten stellen können. Der Authentizität der Sichtweise eines Betroffenen hätte das nicht geschadet. Es hätte das Thema lediglich erweitert.“


Selbsterklärend.


Laura Nagel hat für den WDR alle relevanten Informationen und eine Bildstrecke gesammelt, mit denen wir uns über den ISS-Besuch von Alexander Gerst und unser aller Lieblingsmaus informieren können.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle auch Lenas schönen Text zu den X-Men bei To The Lighthouse mit Zitat anführen, aber der Server scheint gerade nicht erreichbar zu sein. Klickt mal hier, vielleicht ist er inzwischen wieder da.


TWEET DES TAGES




VIDEO DES TAGES




KURZFILM DES TAGES


Blinky™ from Ruairi Robinson on Vimeo.