Freitag, 28. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 28



Tag 28 – Welchen Film sollte man unbedingt im Kino gesehen haben?

Ich gebe der inneren Nerd-Stimme nach, die mir die Antwort schon die ganze Zeit einflüstert und sage Das Imperium schlägt zurück.


 Warum? Erstens, weil es der beste Star Wars-Film von allen ist, so viel ist schon mal klar. Zweitens: Der Film wirkt einfach grandios auf der großen Leinwand. Ich hab ihn anno 1997 bei den Wiederaufführungen gesehen und hatte vor allem bei der Eröffnungsschlacht auf Hoth den besten 3-D-Effekt, den ich je erlebt habe – in Zeiten, in denen es noch gar kein 3-D-Kino (wieder) gab. Wenn der AT-AT, der zuvor mit dem Stahlseil zu Fall gebracht wurde, in die Luft gejagt wird und all die Trümmerteile in alle Richtungen in den Schnee prasseln, dann duckt man sich instinktiv weg, um nicht getroffen zu werden. Der Trick ist so gut, wahrscheinlich auch, weil er handgemacht ist, dass eine nachträgliche Konvertierung auf 3-D  gar nichts bringen würde (dass dieser Trend ohnehin reichlich sinnlos ist, darüber müssen wir wohl kaum streiten). Ohnehin ist die ganze Sequenz im Kino ein tolles Erlebnis, ebenso wie die Szenen auf Dagobah, die durch die Größe des Bildes noch einmal eine ganz neue Tiefenwirkung erhalten.

Das Imperium schlägt zurück ist ein grandioses Beispiel dafür, dass der Computer eben nicht alles besser und toller machen kann. Die Effekte sind hier schon so hervorragend, dass es keinem kosmetischen Lifting bedarf. Der Modellbau ist detailliert, die Matte Paintings grandios und den Muppet-Yoda kann man sehr viel ernster nehmen als den Yoda aus dem Rechner – einfach weil er da ist und Mark Hamill auch nicht in einer Sekunde Zweifel aufkommen lässt, dass er mit einem Lebewesen und nicht etwa einer Puppe spricht.

Ansonsten fallen mir erstaunlich wenige Filme ein, die durch die Abspielstätte Kino einen wirklichen Vorteil gebracht haben, der im Heimkino nicht reproduzierbar wäre. Happy Feet profitiert im Kino von seinen sorgsamen Kameraeinstellungen, die bei mir zum ersten Mal ein Achterbahngefühl aufkommen ließen (als Mumble und Co. den Gletscher hinunterrutschen) und Ziemlich beste Freunde hat sehr von dem ungemein gut aufgelegten Publikum profitiert. Ich liebe die Institution Kino und wenn ich könnte, würde ich noch sehr viel häufiger dort zu Gast sein (mein Rekord liegt bei 53 Kinobesuchen innerhalb eines Jahres, worüber andere Kritiker wahrscheinlich nur müde lächeln können), aber, wenn man ganz ehrlich ist, die meisten Filme funktionieren auch auf dem heimischen Fernseher. Okay, vielleicht nicht gerade Avatar – Aufbruch nach Pandora in 3-D (eins der wenigen guten Beispiele für den Einsatz der Technik), aber daheim spart man sich natürlich unbequeme Sitze, Geruchsbelästigung und ständig quatschende oder gar rauchende Personen im Auditorium. Vielleicht ist mir Mission to Mars deshalb in so schlechter Erinnerung…


Donnerstag, 27. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 27



Tag 27 – Welchen Film sollte deiner Meinung nach jeder gesehen haben?

Was soll man hier nur antworten? Den Lieblingsfilm nennen? Müßig. Etwas so persönliches wie den Lieblingsfilm auszuwählen würde rein gar nichts bringen, denn es ist ja mein Lieblingsfilm und ich kann ihn empfehlen, aber was würde es bringen, wenn ich ihm jemanden ans Herz lege, von dem ich weiß, dass er inhaltlich und/oder ästhetisch nichts damit anfangen kann? Ich zwinge einem Hardcore-Transformers-Fan ja auch nicht Before Sunrise auf.

Vielleicht sollte man fiktionale oder fiktionalisierte Stoffe ganz herausnehmen. Niemand wird sterben, wenn er nicht IMDBs Topfilm Die Verurteilten gesehen hat, die Welt wird sich auch dann weiterdrehen, wenn ich niemals dazu komme, Die Wasser der Hügel zu sehen. Ich kann Empfehlungen aussprechen, aber sie werden immer nur für jene Menschen von größerem Interesse sein, die einen zumindest ähnlichen Geschmack haben. Muss man also keinen Film zwingend gesehen haben? Ja. Gibt es Filme, die man unabhängig vom sonstigen (Spielfilm-)Geschmack einer großen Bandbreite an Menschen ans Herz legen kann? Auch hier lautet die Antwort ja. Denn im weiten Feld der Dokumentationen gibt es Kandidaten, denen ich den Status des „Muss-man-gesehen-haben“ eher zutrauen würde als fiktionalen Stoffen, eben weil sie als Dokumentation unmittelbarer daherkommen.

Dies führt aber zum nächsten Problem: Welches Thema ist so allumfassend, so groß, dass es viele Menschen angeht und diese Platzierung rechtfertigt? Privatisierung wie Der große Ausverkauf? Nahrungsmittelherstellung und –vertrieb wie in We feed the World – Essen global? Die überwältigende Schönheit des Planeten Erde wie in Home? Oder, dem Massengeschmack entsprechender, Eine unbequeme Wahrheit oder gar eine beliebige Michael-Moore-Doku? Doch da ich, Jan Noyer, in diesen Tagen zu den Fragen Stellung nehme, wähle ich Die Bucht aus.



Es gibt diverse Kritikpunkte, die in meinen Augen aufgrund des Inhalts aber entkräftet werden. Die Bucht ist emotional schwer zu verkraften, vor allem für jene Zuschauer, denen bereits vorher klar war, dass der Mensch nicht die einzige intelligente Lebensform auf der Erde ist, wie auch immer man Intelligenz auslegen mag. Die Bucht zwingt den Zuschauer dazu, Stellung zu beziehen und vor allem, sich selbst im Geflecht der Arten zu definieren. Bei Menschen, die ihre eigene Spezies als die Überlegende wahrnehmen, wird wohl auch dieser Film nichts ändern. Aber von allen Filmen, die mir einfallen, ist Die Bucht derjenige, dem ich am ehesten das Prädikat „Muss-man-gesehen-haben“ verleihen würde, eben weil seine Brisanz und sein Relevanz weit über das hinausgehen, was ein handelsüblicher Spielfilm zu leisten vermag. Als Ergänzung kann man sich dann noch Blackfish und Unter Menschen ansehen. Und dann endgültig zum Misanthropen werden.


Mittwoch, 26. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 26



Tag 26 – Nenne deinen liebsten Filmklassiker.

Das ist schon wieder eine kompliziertere Frage, als es auf den ersten Blick scheint. Mir fehlen noch so viele der anerkannten und immer wieder genannten Klassiker (ich werde an Tag 29 näher drauf eingehen) in meinem geistigen Katalog, dass ich das ungute Gefühl habe, hier keine wirklich fundierte Wahl treffen zu können. Zudem muss man wohl „Filmklassiker“ erst einmal definieren.
Wenn ich für Kuleschow-Effekt die Trailer heraussuche, erliege ich manchmal der Versuchung, die ersten Kommentare zu lesen. Ich weiß, dass sollte man auf YouTube tunlichst unterlassen, aber manchmal ist das Scrollen schneller als der Verstand. Meistens fühle ich mich dann alt, wenn Kiddies Filme aus Mitte der 1980er Jahre als „voll alt“ bezeichnen. Der Rekord liegt bei einem Kommentar unter dem Trailer des Planet der Affen-Remakes von 2001 (!): „Der Film ist uralt.“ Oh je. Ich weiß, man sollte solch hoch qualifizierten Aussagen kein allzu großes Gewicht beimessen, aber trotzdem.

„Früher“ bedeutet für jemanden, der 1984 geboren wurde, zwangsweise etwas anderes als für jemanden, der erst seit Mitte der 1990er oder gar erst seit den 2000ern auf der Erde wandelt. So ist für mich das Cut-Date 1980. Davor kann ich guten Gewissens von „Klassikern“ sprechen, danach noch nicht so ganz. Aber da die Zeit ja rasend vergeht, könnte das in 20 Jahren schon anders aussehen. Außerdem darf man ja gespannt sein, welche Filme aus der momentanen Gegenwart irgendwann mal als Klassiker gehandelt werden. Mein Tippgeld liegt ja beispielsweise auf Take Shelter – Ein Sturm zieht auf, aber das nur am Rande.

Also, welche Klassiker sind mir am liebsten? Durch das Cut-Date hat sich ja gerade noch Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt qualifiziert und ich denke, man kann schlechtere Kandidaten haben. Wer die Nachtigall stört war an Tag 21 schon prominent vertreten, ist aber natürlich auch hervorragend. 2001 – Odyssee im Weltraum? Auch verdammt gut. Die 12 Geschworenen, Wer den Wind sät, Lilien auf dem Felde, Der große Diktator, Metropolis? Alles gute Kandidaten, aber ich werde heute mit Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens gehen. Warum? Zum einen, weil dieser Stummfilm von 1921 den peinlichen Twilight-Vampiren von heute immer noch zeigt, was ne Harke ist, zum anderen, weil es für mich persönlich kaum einen gruseligeren Anblick als Max Schreck als Graf Orlok gibt. Diese Augen, diese Hände, diese Bewegungen… ich muss nur ein Standfoto aus dem Film sehen und es läuft mir kalt den Rücken herunter. F.W. Murnau hat mit Nosferatu in meinen Augen einen wirklich unsterblichen Film gedreht, dessen Atmosphäre und Qualität bis ins Zeitalter der überbordenden Computeranimation Bestand haben. Das ist es wohl auch, was einen Klassiker ausmacht.


Dienstag, 25. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 25



Tag 25 – Welcher Film ist die gelungenste Verfilmung einer literarischen Vorlage?

Für diese Frage stand ich vor meinen Bücherregalen und dachte schließlich: Entweder, ich kenne das Buch ODER den Film. Und wenn ich beides kenne, sind die Verfilmungen eher mäßig – und das waren sie auch schon, bevor ich das Buch gelesen habe. Die Verfilmung von So finster die Nacht, basierend auf dem Roman von John Ajvide Lindqvist erfuhr beispielsweise viel Wertschätzung, obwohl sie die besten, emotionalsten Komponenten der Vorlage einfach weg lässt. Das Buch ist emotional aufgeladen, der Film schlicht unterkühlt. Alex Garlands Der Strand ist packender als die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio. Und über die filmgewordene Monstrosität Phantoms, die einen meiner liebsten Unterhaltungsromane von Dean Koontz zur Vorlage hat, möchte ich mich ausschweigen. Michael Crichtons DinoPark hat eigentlich ziemlich wenig mit der kinderfreundlichen Verfilmung von Steven Spielberg zu tun und was man H.G. Wells‘ Die Insel des Dr. Moreau in der 1996er-Filmversion angetan hat, spottet jeder Beschreibung (die anderen Versionen kenne ich noch nicht). Die Zeitmaschine kam da 1959 besser weg, auch wenn das Buch selbstredend spannender ist.

So bin ich nach langem Überlegen zu einem vielleicht ungewöhnlichen Ergebnis gekommen. Jean Cocteaus wunderbare Verfilmung von 1946 von Die Schöne und das Biest kommt dem zugrundeliegenden Märchen in der Version von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont in punkto Atmosphäre und Bildlichkeit sehr nah. Und nicht nur auf eine rein adaptive Art, Cocteau bringt natürlich auch eigene Elemente mit ein und macht so daraus ein selbstständiges Werk. Und das ist die Kunst der Adaption: etwas Eigenes erschaffen und der Vorlage dennoch treu bleiben. Ansonsten kommt nur eine Abartigkeit wie World War Z heraus, die mit dem starken Buch von Max Brooks rein gar nichts mehr zu tun hat.

Da ich auch meine Comicsammlung nicht übergehen möchte, nenne ich auch noch Hellboy II - Die goldene Armee als Positivbeispiel für die Verfilmung von Panels und Sprechblasen. Sogar noch mehr als der erste Teil fängt Die goldene Armee die Essenz des Comics von Mike Mignola ein. Guillermo del Toro ist ein Fan, ganz offensichtlich. Vor allem einer der Sorte, der die Vorlage kennt, versteht und liebt. Das merkt man den Verfilmungen an. Besonders interessant finde ich, dass Hellboy im Realfilm besser funktioniert als in den Zeichentrickvarianten. Auch kein Automatismus für eine Comicfigur.


Montag, 24. März 2014

31 Tage - 31 Filme: Tag 24



Tag 24 – Welcher ist der traurigste Film, den du je gesehen hast?

Bis vor kurzem hätte ich wohl Das süße Jenseits genannt, aber da ich den seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, will ich mich nicht ganz auf meine Eindrücke verlassen, darum gehe ich an dieser Stelle mit dem letzten Film ins Rennen, der mich wie ein Häufchen Elend zurückgelassen hat: The Broken Circle.


 Man könnte natürlich einwenden, dass The Broken Circle nun ja auch ziemlich offensichtlich als tear jerker konzipiert ist, ich meine – gute Güte, was passiert nicht alles Mögliche Trauriges in diesem Film. Ein Kind stirbt. Eine Beziehung zerbricht. Gute Intentionen verwandeln sich in ihr Gegenteil. Fast wirkt es, als hätte man mit einer Abstreichliste das Drehbuch durchgesehen, damit auch ja alles dabei ist, was den Taschentuchkonsum nach oben treibt. Das perfide an der Sache ist: es klappt. The Broken Circle profitiert so ungemein von seinen Darstellern, dass man ihm alles abnimmt. Und weil die Figuren so sympathisch sind, ist man auch sehr nah dran an ihren Schicksalen. Manipulativ hat sich das Ganze, zumindest für mich, nicht angefühlt. Okay, vielleicht geht das Finale etwas zu weit in seinem Drang, noch mehr Tod ins Geschehen zu nehmen, aber das ist nicht weiter schlimm. The Broken Circle ist der traurigste fiktive Film, den ich bisher gesehen habe. Warum fiktiv? Weil dokumentarische Stoffe ja oftmals genauso oder noch trauriger daherkommen können. Kriegsschicksale, Familiengeschichten, furchtbare Skandale – die Welt ist kein allzu fröhlicher Ort, könnte man meinen, und Traurigkeit ist da schon fast ein zu zahmes Wort. Aber weil das Feld so weit ist, lasse ich sie mal außen vor, was meine Wertschätzung für eine gute Dokumentation, die Elemente eines tear jerker beinhaltet, natürlich nicht schmälert.